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Ida Resmovits

Ida Resmovits, verh. Leibovits

Ida und ihre Familie

Ida Resmovits wurde am 07.04.1922 in Teresva / Taracköz geboren. Diese Kleinstadt liegt im Theißtal am Zusammenfluss des Flusses Tereswa mit der Theiß. Im Laufe der Geschichte gehörte die Stadt zur Slovakei, zu Ungarn und heute zur Ukraine. Sie grenzt direkt an Rumänien.

Lebensgeschichte von Ida Resmovits, gemäß Erzählung ihres Enkels Matan Leibovits. Er besuchte am 20.06.2024 Geislingen und hatte einige sehr emotionale Begegnungen in der WMF, an der Gedenkstätte und mit Bürgern der Stadt.

„Meine Oma erzählte ihren beiden Kindern nichts von ihrer Zeit im KZ. Es muß sehr schlimm für sie gewesen sein und das Trauma war zu frisch. Erst gegenüber ihren Enkeln fing sie an etwas zu erzählen. Als junge Frau war sie zu beschäftigt ein neues Leben und ein Land aufzubauen.

Ich fand ein Dokument von 1953, in dem meine Oma notierte, dass sie im KZ-Auschwitz und auch im KZ-Geislingen war.

Meine Oma wuchs in Teresva in einer religiösen Familie auf. Ihr Geburtsdatum lautet auf einigen Dokumenten 28.05.1920, auf der Transportliste 07.04.1922. Sie hatte 2 jüngere Brüder und eine jüngere Schwester. In 1941/1942 wurde die ganze Familie von der ungarischen Polizei verhaftet. Aber Ida wurde mit ihrer Mutter in letzter Minute wieder aus dem Zug genommen. Sie sah ihren Vater und Geschwister nie mehr wieder. So weit ich weiß, wurden die Verhafteten am Fluss Dniester ermordet. Meine Oma überlebte mit ihrer Mutter weitere 2 Jahre. Im April 1944 wurden sie zusammen ins Ghetto Mateszalka gebracht und von dort im Mai 1944 ins KZ-Auschwitz. Meine Urgroßmutter wurde vergast. Meine Oma wurde verschont für die Zwangsarbeit. Im Juli 1944 wurde sie nach Geislingen gebracht mit anderen ungarischen Gefangenen. Dort wurde sie einmal als „Arbeiterin des Monats“ geehrt und bekam ein Paar Holzclogs. In der WMF gab es einen Vorarbeiter, der den Gefangenen Freundlichkeit und Menschlichkeit zeigte. Er sagte ihr: „Ich habe 2 Söhne an der Ostfront verloren. Dieser Krieg ist sinnlos.“ Bei einer günstigen Gelegenheit schmuggelte er einen Apfel und gab ihn ihr. Die SS-Aufseherinnen behandelten sie sehr hart. Für sie war sie nur Nr. 20735.

Im April wurden sie aus Geislingen weggebracht ins Lager Dachau-Allach. Und von dort sollten sie noch in die Berge gebracht werden. Auf dem Weg dorthin wurden sie von der US-Armee befreit. Eine SS-Frau meinte: „Ich war immer gut zu dir.“ Daraufhin gab sie ihr einen ordentlichen Schlag.

Sie wurde von den Amerikanern in ein US-DP-Camp nach Landsberg gebracht. Und von dort machte sie sich auf den Weg zurück in ihre Heimat nach Teresva. Dort musste sie dann feststellen, dass alle ihre Geschwister und Eltern ermordet wurden. In Teresva hat sie ihren zukünftigen Mann getroffen. Dessen Schwestern waren mit ihr im KZ-Geislingen gewesen. Sie haben geheiratet und bis 1949 in Prag gewohnt. Von dort sind sie nach Israel ausgewandert. Sie bekamen 2 Kinder: eine Tochter und einen Sohn, der mein Vater ist. Heute hat sie 6 Enkel und 13 Urenkel.

Die Zeit im KZ muss sehr schwer für sie gewesen sein. Ihr ganzen Leben lang wurde sie davon verfolgt. Sie hat nur sehr zurückhaltend etwas davon erzählt. Allerdings wachte sie jeden Morgen schreiend auf.

Trotzdem war ihr Zuhause der freundlichste Ort für uns Kinder. Wir wohnten nebeneinander im gleichen Dorf. Sie erwartete uns jeden Tag mit frisch zubereitetem Essen. Mein Opa hielt nach uns Ausschau und erst wenn er uns sah, kam das Schnitzel in die Pfanne. Auch anderen Menschen gegenüber war sie sehr freundlich.“

Ihr Tochter erzählte: „Meine Mutter erzählte nichts. Erst durch meinen Neffen erfahre ich mehr über ihre Leidensgeschichte. Sie schrie jeden Abend. Am Holocaust-Gedenktag hat sie den ganzen Tag geweint. Das konnte ich als junges Mädchen nicht aushalten und musste raus in den Garten gehen. Ich habe lediglich ein Foto meiner Großmutter, das ein Nachbar versteckt hat und nach dem Krieg meiner Mutter zurück gab. Das ist die einzige Erinnerung an meine Familie.“

Ida Leibovits verstarb 2011 in Israel.